NOS_9_Webseite_Bilder_11

Die 25 wichtigsten Männer des US-Football

Football ist US-amerikanisches Kulturgut, die NFL das größte Spektakel der Sportwelt. Wer sind die 25 prägenden Köpfe, die der Sportart diese herausragende Bedeutung verschafften?

Text: Tobias Ahrens

Im Football kommt es auf Kleinigkeiten an. Seltsam, denn dieser Sport ist groß. Er ist laut. Er ist furchteinflößend. Ein Sport, bei dem Hünen eine Schlacht austragen – und an Kleinigkeiten scheitern. Im Super Bowl 34 fing Tennessees Kevin Dyson eine Sekunde vor Schluss den Ball, wurde getackelt und streckte sich verzweifelt und chancenlos nach dem letzten Meter bis zur Endzone. Ganz ähnlich im Super Bowl 49, als die Seattle Seahawks Augenblicke vor Schluss am Rande der gegnerischen Endzone standen. Mit dem laufgewaltigen Marshawn Lynch in der Hinterhand. Doch Seattle entschied sich für einen Wurf, verlor den Ball und verlor das Spiel. Die Geschichtsbücher des Footballs sind voll mit Anekdoten wie diesen, in denen Siegertypen, die ihr Leben für diesen Moment gegeben haben, an lächerlichen Zentimetern scheitern. Aber: „Im Leben kommt es auf die Kleinigkeiten an. Genau wie beim Football. Weil sowohl im Leben als auch beim Football der Spielraum für Fehler winzig ist.“ Als Tony D’Amato das sagte, rasten seine Spieler vor Euphorie. Das große Finale stand an, und der Coach erklärte seiner Mannschaft, wie sie gewinnen könnte: indem sie um jeden Inch kämpft. Tony D’Amato hat nie existiert. Er ist eine Filmfigur in Oliver Stones Meisterwerk „An jedem verdammten Sonntag“. Und trotzdem erklärt er den Menschen, was diesen uramerikanischen Sport ausmacht.
Die Zuschauer, die draußen auf den Holzbänken ausharren, warten auf den nächsten Schwenk. Auf eine Fußnote, die den Traum der Amerikaner selbsterfüllend bestätigt: „Pursuit of Happiness“ — das Streben nach Glück. Für Thomas Jefferson, den Verfasser dieses Grundsatzes, war es selbstverständlich, dass alle Menschen gleich geschaffen sind. Mit den gleichen, unveräußerlichen Rechten ausgestattet. Leben, Freiheit, Streben nach Glück. Die Romantik der amerikanischen Überzeugung „From rags to riches“ – von Lumpen zu Reichtümern –, in der jeder Bürger die Hauptrolle spielen könnte. Aber nicht jeder ist dem gewachsen. Erst recht nicht in einem Land, das längst nicht mehr jedem die gleichen Chancen bietet, sondern auseinanderdriftet. Dort die Reichen, hier der Rest. Hier der Super Bowl-Sieger, dort das Talent ohne Profivertrag. 1,1 Millionen Schüler in den USA spielen Football. Später dann, im College, erhalten nur noch 70 000 die Chance, ihren Traum weiterzuleben. Und in der National Football League (NFL) spielen maximal 1696 Sportler zur gleichen Zeit. Weil das Spiel seit einem Jahrhundert in dieser oder einer ähnlichen Weise ausgetragen wird, ist zu erahnen, wie viele Profis es hervorgebracht hat. Von ihnen wiederum haben sich manche hervorgehoben. Durch sportliche Höchstleistungen, durch den Kampf gegen Ungerechtigkeiten, durch das Scheitern und das Siegen. Mit sehr viel Geld. Oder allem zusammen. Colin Kaepernick ist so ein Fall. Einer, der im Super Bowl 2013 stand und dem nur wenige Meter zum Sieg fehlten, ehe er in den letzten Jahren eine unumstößliche Haltung gegen das weiße Vormachtsdenken und den systematischen Rassismus in den USA angenommen hat. Kaepernick ist einer, der verstoßen wurde. Der auch gewonnen oder zumindest – wie mit seiner Vertragsunterschrift 2014 – sehr viel Geld verdient hat. Und trotzdem gehören Kaepernick und auch Tony D’Amato nicht zu den 25 bedeutendsten Männern des American Football. Es kommt eben auf Kleinigkeiten an.

Das komplette Rankingjetzt in NoSports#9!