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Greatest Show On Earth

Die NFL ist die erfolgreichste Sportliga, der Super Bowl das größte Spektakel, das die Sportwelt zu bieten hat. Nun will die US-Football-Liga auch den europäischen Markt erobern. Was macht diesen Sport bloß so unwiderstehlich?   

Text: Sebastian Stier

Lachen dringt durch die große Halle der Saint Olafs Catholic Church. Pastor David Haschka, ein kleiner, hagerer Mann über 60, mit grauen Haaren und Brille, hat einen Witz gemacht. Das kommt in US-Gotteshäusern selten vor, aber an diesem Sonntag ist alles anders. Überall in den USA und besonders hier im Zentrum von Minneapolis, wo Haschka die Messe abhält. Nur 20 Fußminuten entfernt findet der 52. Super Bowl statt, das jährliche Endspiel der National Football League (NFL), das größte, aufregendste und skurrilste Spektakel der Sportwelt. Die Stadt ist im Ausnahmezustand. Für gewöhnlich folgen Haschka nur die Gläubigen seiner Gemeinde. Er kennt sie alle beim Namen. Stan und Maurice, David und Marie, Phil und Ann. Die meisten Besucher an diesem Februarsonntag 2018 aber kennt er nicht. Menschen aus Massachusetts und Pennsylvania haben auf den hinteren Bänken Platz genommen, einige Gesichter sind mit blauer, andere mit grüner Farbe bemalt. Die Fans der beiden Finalisten New England Patriots und Philadelphia Eagles sind leicht auseinanderzuhalten.
Pastor David Haschka weiß, dass er es hier eher mit den Jüngern des ovalen Eis als mit pflichtschuldigen Christen zu tun hat. „Ich kann leider nicht garantieren, dass euch geholfen wird, schließlich muss es einen Verlierer geben. Aber es kann sicher nicht schaden, wenn ihr großzügig in die Kollekte einzahlt.“ Gelächter. Dann wird Haschka ernster. „Ich weiß, dass heute sicher mehr Amerikaner im ganzen Land den Super Bowl sehen werden, als zur Messe gehen. Aber das ist in Ordnung. Wir sind nicht eifersüchtig. All das Drama und die Freude, die Aufregung, die Football erzeugen kann, lenkt auch viele von uns, denen es weniger gut geht, von ihren Alltagssorgen ab. Sport hat einen mächtigen Unterhaltungswert.“ Amen.
Auch wenn es bei Mose heißt „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“, legen bibelfeste Amerikaner das erste Gebot während der Saison von September bis Anfang Fe­bruar an jedem Sonntag großzügig aus. Football kommt in den USA einer höheren Macht gleich. In einer Umfrage von „Sports Illustrated“ aus dem Herbst 2017 gaben knapp 27 Prozent der Befragten an, Football sei ihnen wichtiger als Religion. 20 Prozent stellen das Spiel über ihren Job, fast zwei Prozent sogar über die eigene Familie.
Minneapolis ist an diesem Wochenende der Beweis, dass sich der Super Bowl zum inoffiziellen Feiertag entwickelt hat. (…)

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