Basketball EM 1993 - Finale -Deutschland- Russland 71:70 - Henrik Rödl. | Verwendung weltweit

„Ein Lauf wie 1993 ist jederzeit wieder möglich!“

Im Herbst steigt Henrik Rödl vom Co-Trainer zum Chefcoach der Basketball-Nationalmannschaft auf. Sein größter Triumph als Aktiver: der EM-Titel 1993. Er muss es also wissen: Was braucht die DBB-Auswahl, um erneut Europameister zu werden?

Protokoll: Thilo Neumann

Eine Europameisterschaft entscheidet sich in wenigen, kurzen Augenblicken. Als Team musst du in diesen Momenten bereit sein. Und genau das waren wir 1993. Wir waren wahrscheinlich nicht die beste oder talentierteste Mannschaft im Wettbewerb, aber in entscheidenden Situationen trafen wir die richtigen Entscheidungen – und hatten manchmal auch das nötige Glück auf unserer Seite. Es lief zunächst nicht nach Plan: Zum Turnierauftakt kassierten wir eine 103:113-Niederlage gegen Estland, vor halb leeren Rängen in der Deutschlandhalle. Ich glaube, schon zu diesem Zeitpunkt hatten uns viele abgeschrieben. Für uns war dieses Spiel aber ein Wachmacher. Auch wenn wir in der Zwischenrunde zwei weitere Male verloren und uns so nur als vermeintlich schwächste Mannschaft für die K.-o.-Runde qualifizierten. Dann aber kippte das Momentum auf unsere Seite.
Der Brustlöser kam gegen Spanien im Viertelfinale, als Chris Welp mit der Schlusssirene zum 79:77 traf. Die Spanier waren die klaren Favoriten gewesen, doch in der Endphase des Spiels waren wir mental frischer. So eine Erfahrung trägt dich als Mannschaft für den Rest des Turniers. Im Halbfinale schlugen wir die Griechen mit drei Punkten. Und das Finale gegen Russland entschied wiederum Chris Welp mit seinem Freiwurf zum 71:70, drei Sekunden vor Schluss. Die Russen hatten aber noch einen letzten Angriff. Ich erinnere mich gut an den Verzweiflungswurf von Vladimir Gorin, weit hinter der Dreipunktelinie, mit auslaufender Spielzeit. Ich stand unter dem Korb, konnte die Flugkurve des Balles genau beobachten. Für eine Weile sah es aus, als würde er reingehen. Aber der Ball sprang vom Ring ab – auch im letzten Moment dieses Turniers war das Glück, das wir uns hart erarbeitet hatten, auf unserer Seite. (…)

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