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Wege zum Ruhm

Sie gehen los, wenn sich keiner traut. Über Routen, die niemand wagt. Warum ausgerechnet Polen die tollkühnsten Bergsteiger der Welt sind

Text: Uli Hesse

Am 25. Januar 2018 erfüllte sich Tomek Mackiewicz seinen großen Lebenstraum. Als erster Pole stand der Vater von drei Kindern im Winter auf dem Gipfel des Nanga Parbat. Sechsmal war er an dieser Aufgabe gescheitert, im siebten Anlauf hatte es nun endlich geklappt. Doch der 43-jährige Mackiewicz empfand keine Freude. Es war 18 Uhr. Viel zu spät.
Mackiewicz tastete nach der Schulter seiner Seilpartnerin, der Französin Elisabeth Revol. Sie hatte gerade als erste Frau den Nanga Parbat im Winter bestiegen, doch auch sie durfte den Moment nicht genießen. Sie hörte, wie Mackiewicz keuchte „Ich sehe nichts mehr“, und wusste, dass es jetzt um Leben und Tod ging. Die beiden Alpinisten versuchten, ihr Hochlager zu erreichen, bevor die Nacht hereinbrach, die Temperaturen von minus 40 Grad bringen würde. Doch neben akuter Schneeblindheit litt der Pole auch unter Erfrierungen und bekam kaum noch Luft. Auf 7200 Metern tropfte ihm Blut aus dem Mund, sicheres Anzeichen für eine schwere Höhenkrankheit.

Mackiewicz ist noch heute auf dem Berg, dessen Gipfel er unbedingt erreichen wollte. Bislang wurde seine Leiche nicht gefunden. Vielleicht wird sie das nie. Reinhold Messner musste 35 Jahre warten, bis er die sterblichen Überreste seines Bruders zu Gesicht bekam, der 1970 beim Abstieg vom Gipfel des Nanga Parbat sein Leben ließ. (…)

Die große Reportage über die Bergsteigerleidenschaft der Polen – jetzt in der neuen Ausgabe von NoSports#10 in voller Länge!