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He’s got the Power

In London kämpfen die besten Dartspieler um den WM-Titel. Es ist das letzte Turnier des Mannes, der diesen Sport neu erfunden hat: Phil Taylor. NoSports hat den König der Wurfpfeile für einige Tage begleitet

Text: Uli Hesse     Foto: Patrick Runte

Berry van Peer fixiert die Dartscheibe, dann hebt er den rechten Arm. Er blinzelt. Er lässt den Arm sinken. Er blickt zu Boden. Schließlich hebt er den Arm erneut und bewegt seine Hand vor und zurück, als würde er jeden Moment den Dartpfeil auf die Reise schicken. Doch er tut es nicht. Stattdessen lässt van Peer den Arm wieder sinken. Hinter ihm werden die ersten Zuschauer ungeduldig und murren. Da beginnt van Peer zu weinen.
Es ist das zweite Mal in wenigen Monaten, dass einem Darts-Profi auf offener Bühne die Tränen kommen. Ende Juli heulte der Schotte Peter „Snake­bite“ Wright vor und nach seinem Spiel gegen Phil Taylor, weil er so ergriffen war, noch einmal mit der größten Legende seines Sports die Pfeile zu kreuzen. Van Peers Tränen haben einen anderen Grund.
Der Holländer ist 21 Jahre alt. Er wurde bei der Junioren-WM Zweiter und qualifizierte sich so für dieses Turnier, den Grand Slam of Darts in Wolverhampton. Es ist der größte Moment seiner so jungen Karriere. Und ausgerechnet jetzt – vor zwölfhundert Menschen in der Halle und Millionen von Zuschauern an den Fernsehern – hat van Peer vergessen, wie man einen Dartpfeil wirft.
Das als „Dartitis“ bekannte Phänomen befällt jedes Jahr ungezählte Spieler. Manchmal passiert es schleichend, doch meistens von einem Moment auf den nächsten: Ein völliger Verlust der Hand-Augen-Koordination sorgt dafür, dass selbst erfahrene Profis wie kleine Kinder werfen und froh sein können, wenn der Dart die Scheibe trifft. Die meisten Betroffenen haben, wie van Peer in Wolverhampton, sogar enorme Probleme, den Pfeil überhaupt loszulassen. (…)

Die komplette Reportage über Phil Taylor lest Ihr in der neuen Ausgabe von NoSports!