kuehnhackl

Erich Kühnhackl: „Tom ist den harten Weg gegangen“

Für die neue Ausgabe von „NoSports“ trafen wir Erich Kühnhackl und sprachen mit ihm über seinen Sohn Tom, der mit den Pittsburgh Penguins im Sommer den Stanley Cup gewann. Deutschlands Eishockeyspieler des Jahrhunderts über gute Erziehung, schräge Rituale und den absoluten Willen

Foto: Sammy Hart             Interview: Tim Jürgens

 

Erich Kühnhackl, Sie haben drei Kinder, alle haben aktiv Eishockey gespielt. War schon früh erkennbar, dass der Jüngste, Tom, der talentierteste ist? Sein Bruder Kevin hat im Tor gespielt, seine Schwester bei den Damen, die beiden haben Tom von klein auf unterstützt und ihm viele Tipps gegeben. Auch das hat ihm sehr geholfen, seinen Weg in diesem Sport zu gehen.

Als Tom ein Kind war, sollen Sie vor ihm geheim gehalten haben, welche Bedeutung der Name „Kühnhackl“ im deutschen Eishockey hat? Wir haben es zumindest nie groß herausgekehrt. Ich bin ja in erster Linie Toms Vater und nicht der Eishockeyspieler.

Und wenn er fragte? Dann habe ich gesagt: „Ja, ich habe früher auch mal gespielt.“

Mit Verlaub, Sie sind „Deutschlands Eishockeyspieler des 20. Jahrhunderts“. Als er dann bei den Bambinis des EV Landshut anfing, bekam er dann über Trainer und die Eltern natürlich mit, was los war.

War der Name „Kühnhackl“ eine Bürde für ihn? Das ist für mich schwer zu beantworten, da müssten Sie ihn fragen. Einfach war es sicher nicht. Bei den Junioren, wenn der Konkurrenzkampf losgeht, hat er bestimmt auch mal Probleme bekommen. Denn sein Vater hat im Eishockey ja nicht nur Freunde. (Lacht.) Aber Tom hat schnell verstanden: Je besser man Rückschläge im Sport verarbeitet, desto weiter bringt es einen.

Sie wissen um die Härte dieses Sports. Macht man sich als Vater Sorgen um die Kinder, wenn sie anfangen Eishockey zu spielen? Natürlich sorgt man sich. Aber wir haben unseren Kindern immer die freie Entscheidung gelassen. Es ist ihr Leben, es war nie ein Muss, dass sie Eishockey spielen. Tom hat früh gelernt, dass dieser Sport nicht nur Spaß macht, sondern auch Entbehrungen mit sich bringt – durch seine Familie und durch die gute Ausbildung in der Nachwuchsabteilung beim EV Landshut. Er ist den harten Weg gegangen und hat sich durchgesetzt: auf dem Eis und auch in seinen Mannschaften.

Wie kamen Sie mit ihm klar, als er in der Pubertät war? Wir kamen immer gut aus. Im Gegensatz zu dem Ruf, den ich auf dem Eis genoss, bin ich als Familienvater relativ handzahm. (Lacht.)

Ihre Frau hat eher den Kindern gesagt, wo’s lang geht? Er war nicht so, dass ich immer nur der Nette war, aber sie war sicher die Strengere von uns beiden.

Haben Sie Tom zugeraten, als er mit 17 Jahren das Angebot bekam, in das Farmteam einer NHL-Mannschaft zu wechseln? Natürlich haben wir intensiv darüber diskutiert, aber die Frage, ob er es machen soll, hat sich nie gestellt: Denn es war immer sein Ziel, er hat es von Anfang an gewollt. Deshalb haben wir ihm die volle Unterstützung gegeben. Aber natürlich ist es nicht leicht – weder für den Sohn noch für die Eltern – wenn ein 17-Jähriger nach Nordamerika geht und sich in eine völlig andere Sportwelt begibt.

Sie sind als 18-Jähriger aus der damaligen Tschechoslowakei nach Deutschland ausgewandert. Sie kennen das Gefühl, in einem anderen Land ganz neu anzufangen. Ja und nein. Wir haben damals einen Ausreiseantrag gestellt, weil große Teile der Familie bereits im Westen lebte und dort zusammengeführt wurde. Außerdem war das Eishockey in der Tschechoslowakei nicht schlechter als in Deutschland. Die Zustände in der nordamerikanischen Profiliga kann man mit Deutschland hingegen nicht vergleichen.

Anders gefragt: Fanden Sie es gut, dass Tom rüber ging? Ich finde großartig, dass er sich immer weiter entwickelt. Er hat mit Verletzungen zu kämpfen gehabt, hat viele Rückschläge erlebt, hat aber immer weiter an sich und seinem Traum gearbeitet. Bewundernswert.

Seit er 2010 über den großen Teich ging, hat er Zeiten erlebt, in denen er morgens beim Aufwachen manchmal nicht wusste, wohin er am Nachmittag transferiert wird. Es war sicher nicht einfach, aber die Zeit war sehr lehrreich. Und die Schwierigkeiten, die er gemeistert hat, haben ihn dahin geführt, wo er nun ist.

Gab es je den Anruf: „Papa, ich habe die Schnauze voll, ich komme nach Hause“? Nein, gab es nicht! Auch wenn er das Glück weiß Gott nicht immer auf seiner Seite hatte.

Was war die größte Krise: Als er im November 2011 nach einem Bodycheck für 20 Spiele gesperrt wurde? Oder als er 2012 für sechs Monate verletzungsbedingt pausieren musste? Wenn du in so jungen Jahren für ein halbes Jahr in deiner Entwicklung gebremst wirst, tut das sehr weh. Und wenn du für 20 Spiele gesperrt wirst, auch wenn es nicht unbedingt gerechtfertigt ist, ist es nicht besser. Aber er hat beide Krisen unbeschadet überstanden.

Woher hat Tom diesen besonderen Willen? Von Ihnen? Zu meiner Zeit war es leichter, im Eishockey Fuß zu fassen. Ich hatte durch meine Größe von 1,96 Meter und mein Gewicht einen Wettbewerbsvorteil. Heute sind viele Spieler so groß wie ich damals. Aber auch ich hatte den Willen, es in diesem Sport zu schaffen. Und wenn man etwas wirklich will, macht man alles dafür, egal, wie schwer die Anstrengungen sind.

Wie haben Sie den Jungen so willensstark hinbekommen? Das kann ich nicht beantworten. Mein früherer Trainer, Karel Gut, hat immer zu mir gesagt: „Nicht sprechen, tu’s einfach.“ Je schneller man die Dinge angeht, desto schneller kann man sie bewältigen. Das habe ich verinnerlicht. Aber ich glaube, dass es Tom auch hilft, dass er eine intakte Familie hinter sich weiß, die ihm zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Seite steht. So etwas ist in der heutigen Zeit ja längst nicht mehr selbstverständlich.

Erich Kühnhackl, was kann Ihr Sohn Tom als Eishockeyspieler besser als Sie? Ich bitte Sie: alles! Der Tom hat schließlich den Stanley-Cup gewonnen.

Die große Reportage über Tom und Erich Kühnhackl jetzt in der neuen Ausgabe von „NoSports“.