Ulli Wegner-8

„Ich hatte Schiss, mich zu blamieren“

Der Herr der Ringe. NoSports-Kolumnist, Boxtrainer Ulli Wegner, über die großen Fragen des Sports

Ulli Wegner, die Laufsaison hat begonnen. Die Joggingschuhe schon geschnürt? Junger Freund, ich bin Rentner und habe in den letzten Jahren ein bisschen zugelegt, da muss ich nicht am ersten Frühlingstag gleich losrennen. Aber für eine Grundlagenausdauer ist regelmäßiges Laufen unerlässlich. Ein Boxer, dem die fehlt, regeneriert zu langsam und hält keinen Kampf durch.

Sind Sie je Marathon gelaufen? Die längste Strecke, die ich am Stück zurückgelegt habe, waren 17 Kilometer. Dabei wäre es mein Traum gewesen, Marathon zu laufen.

Warum haben Sie es dann nie gemacht? Wahrscheinlich hatte ich Schiss, mich zu blamieren. Sie wissen doch, wie ehrgeizig ich bin. Wenn ich loslaufe, kann ich nicht mehr aufhören. Mir einzugestehen schlappzumachen, könnte ich nicht ertragen.

Geben Sie nie auf?
Wer einmal aufgegeben hat, wird’s immer wieder tun.

Woher wissen Sie das? Das habe ich 1964 in einem Boxkampf in Magdeburg gelernt. Der Gegner hatte mich zwei Runden lang versohlt. Ich wollte aus dem Ring steigen, aber mein Trainer sagte: „Wenn du das tust, ist es vorbei. Beiß dich durch.“ Also schleppte ich mich durch die dritte Runde, und siehe da, plötzlich war ich wieder da. Am Ende hätte ich fast gewonnen.

Es soll einen Kampf zwischen Mittelgewichts-Champ Floyd Mayweather und dem Ultimate Fighter Conor McGregor geben. Was halten Sie von solchen Fights? Muhammad Ali hat in Japan mal gegen einen Catcher gekämpft. Eine Show, aber sportlich ganz großer Mist. Meinetwegen sollen die sich die Taschen vollmachen, aber mich lassen Sie damit bitte in Ruhe.

Sie würden es Ihren Boxern verbieten, so einen Kampf anzunehmen? Dann würde ich doch deren Existenz gefährden. Auch Boxer müssen sehen, wo sie in ihrem Job bleiben. Wenn die das Geld wollen, sollen sie den Zirkus mitmachen.

Haben Sie die Tischtennis-WM in Düsseldorf verfolgt? Aber sicher. Diese Chinesen sind doch reinste Artisten. Eine wunderbare Sportart, die dem Boxen ziemlich ähnlich ist.

Ach ja? Beides ist ein unglaublicher psychischer Stress, weil man ständig damit rechnen muss, k. o. geschlagen zu werden. Und beide Sportarten sind unglaublich ehrlich.

Ehrlich? Ehrlicher als Fußball zum Beispiel. Da kommt es vor, dass zwei Teams mit Unentschieden zufrieden sind. Beim Boxen und Tischtennis gilt: Wenn ich nicht gewinne, gewinnt mein Gegner. Darum muss man höllisch aufpassen.

In Ausgabe#5 von NoSports gibt es schon wieder eine neue Kolumne von und mit Ulli Wegner. Ab sofort überall, wo es Zeitschriften gibt.