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Ein Königreich für ein Pferd

Wer Kasachstan verstehen will, der muss Kokpar verstehen – einen Sport, bei dem tollkühne Reiter um eine kopflose Ziege kämpfen

Text: Will Boast           Illustration: Jacqueline Urban

Der erfolgreichste Athlet in ganz Kasachstan ist ein fünfjähriges mongolisches Pferd namens Lazer. Als Wildpferd, das in der Steppe geboren wurde, fehlt ihm die hagere Eleganz des Vollbluts oder des Arabers. Abgesehen von seinem großen Kopf und den breiten vorderen Hüften ist es so klein, dass man es für ein Pony halten könnte. Sein Fell ist staubig-schwarz mit einer rostfarbenen Tönung, und seine zerzauste Mähne hängt ihm wie eine Punkfrisur über die Augen. Mit seinen kurzen Beinen und den kleinen Ohren könnte es irgendeines von den Hunderttausenden, vielleicht Millionen von Pferden sein, die durch dieses riesige, weite Land ziehen. Doch Lazer ist ein Champion. In dem uralten Nomadensport, der sich Kokpar nennt (was so viel heißt wie „Ziegengreifen“), hat er acht Titel bei den kasachischen Meisterschaften gewonnen und zwei bei den Zentralasiatischen Spielen.
Kokpar ist simpel: Zwei Mannschaften kämpfen auf einem 200 Meter langen Feld um eine frisch geschlachtete, kopflose Ziege und versuchen, sie in das Tor des Gegners zu schleudern. Lazer wurde von Geburt an für dieses Spiel ausgebildet. Er lernte, wie man viel größeren Pferden ausweicht oder ihnen den Weg verstellt. Die Zweikämpfe, die Lazer bestreiten muss, sind oft so hart und chaotisch, dass es ein Wunder ist, wie sich sein Reiter – ein untersetzter, wettergegerbter Mann namens Abdijaparov Abugali – überhaupt auf ihm halten kann. Ganz zu schweigen davon, dass es Abugalis Job ist, die am Boden liegende Ziege zu packen, während andere Pferde den Kadaver stampfend umkreisen.    (…)

Alles über Kokpar und das Pferd Lazer – jetzt in NoSports#9!