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Reiß Dich am Riemen

Der Deutschlandachter ist ein nationales Heiligtum. Die besten Ruderer des Landes geben dafür alles auf – selbst Freundschaften

Text: Michael Prieler     Fotos: Nikita Teryoshin

Dem deutschen Rudersport geht es wie dem Titanenwurz. Die größte Blume der Welt offenbart nur alle paar Jahre ihre skurrile Schönheit. Während die eigensinnige Exotenpflanze sich dabei aber nicht einmal an einen bestimmten Rhythmus halten will, lässt sich nach der Blütezeit der deutschen Ruderer ziemlich genau die Uhr stellen: Einmal alle vier Jahren wird der Rudersport zum nationalen Spektakel. Dann nämlich, wenn der Deutschlandachter, das Paradeboot des Ruderverbandes, im olympischen Finale an der Startlinie liegt. Startschuss, fünfeinhalb Minuten Vollgas, Schlussspurt. Und dann nur grenzenloser Jubel oder enttäuschte Ernüchterung mit reichlich Milchsäure in den Muskeln. Ein zweiter Platz wie in Rio 2016, immerhin eine olympische Silbermedaille, für die sich andere Sportler ein Bein oder mehr ausreißen würden, geht beim Deutschlandachter in der Goldflut der vergangenen Jahre schon beinahe unter. „Es zählt nur der Sieg. Wenn man nicht gewinnt, ist irgendetwas schiefgelaufen“, beschreibt Richard Schmidt die fast schon perverse Erwartungshaltung der Öffentlichkeit. Der 30-Jährige kennt beide Ausgänge des alle vier Jahre wieder neu erzählten Ruder-Märchens. 2012 saß er im Boot, als der Deutschlandachter eine nie da gewesene Dominanz – in den drei Jahren zuvor war das Flaggschiff bei drei Weltmeisterschaften und einer Europameisterschaft ungeschlagen geblieben – mit Gold in London krönte. Später wurde die Besatzung sogar zur Mannschaft des Jahres gewählt. Vier Jahre später waren im algenbefallenen Gewässer von Rio dann aber die Briten zu stark. Das war keine Überraschung, das Mutterland des Ruderns war schon im Vorfeld kaum zu schlagen gewesen. Trotzdem fühlte sich Schmidt damals fast so, als müsse er sich für Silber rechtfertigen: „Alle haben gesagt: ‚Was, nur Zweiter?‘ Aber Silber bei den Olympischen Spielen, davor Zweiter bei der WM – das ist schon nicht so schlecht.“ (…)

Die komplette Reportage über das deutsche Paradeboot lest Ihr ab sofort in der neuen Ausgabe #5 von NoSports.