John McEnroe of the USA and Bjorn Borg of Sweden before the start of the Mens Singles Final at the Wimbledon Lawn Tennis Championships held in London, England during July 1981. John McEnroe won the match. (Photo by Bob Thomas/Getty Images).

Der Schöne & das Biest

Vergesst Roger Federer gegen Rafael Nadal. Das größte Epos des Tennis schrieben John McEnroe und Björn Borg. Dabei haben sie es nie zu Ende erzählt

Text: Andreas Bock

Der letzte Schlag ist ein Rückhandreturn. Björn Borg trifft ihn nicht gut, der Ball fliegt zu hoch über das Netz. John McEnroe könnte ihn mit einem Volley zurückschmettern, aber er entscheidet sich für ein leises Ende; auf dem Weg ans Netz dreht er sich ein Stück zur Seite und blickt der Filzkugel beinahe wehmütig hinterher, wie sie über den Platz segelt und schließlich im Aus landet. Es ist McEnroes dritter Finalsieg in Folge gegen Borg. Die Kräfteverhältnisse, das ist nun ganz deutlich, haben sich verschoben. Trotzdem bleibt McEnroe erstaunlich gefasst. Keine Jubelpose, kein Kniefall wie ein paar Monate zuvor, als er gegen Borg in Wimbledon gewonnen hat; er reißt nur kurz die Fäuste in die Luft, schüttelt dem Schweden die Hand, und dann legt sich eine bleierne Schwere über das Louis-Armstrong-Stadion in New York. Vielleicht ahnen die Menschen bereits, dass es nun vorbei ist. Die US Open 1981, das Endspiel, aber vor allem diese Geschichte: McEnroe gegen Borg, das größte Duell der goldenen Tennisära, eines der epischen Dramen der Sportgeschichte. Und auch wenn es an diesem Abend des 13. September 1981 noch lange nicht auserzählt ist, wird Björn Borg nie wieder ein Grand-Slam-Turnier bestreiten. Nie wieder gegen John McEnroe spielen. Mit 26 Jahren verlässt er mitten im Stück die Bühne, irgendwo zwischen dem zweiten und dritten Akt.

„Als Björn seine Karriere beendete, war ich am Boden zerstört“, sagte McEnroe später. „Ich fühlte mich vollkommen leer, denn er konnte seinen Rücktritt nicht mal erklären.“ Vielleicht hatte Borg Angst vor der Wahrheit. Er hatte diesen Sport fast zehn Jahre mit einem ungeheuren Aufwand betrieben und war offenbar am Ende seiner Kraft. Oder aber hatte er diese epochale Aufführung gar nicht als so gewöhnlich empfunden wie McEnroe? Zumindest schien er nicht zu wissen, wie wichtig er für seinen Rivalen gewesen war. „Björn hat mich zu einem besseren Spieler und besseren Menschen gemacht“, sagte McEnroe einmal.
Tennis ist ein Sport, in dem man viel über Einsamkeit lernt. Einerseits. Andererseits können die Topspieler nie für sich alleine existieren. Der Held ist nur komplett mit einem Antagonisten, und wer seinen größten Gegner verliert, verliert auch einen Teil seiner selbst. Es ist das Narrativ eines Einzelsports. Beim Schach war es so mit Bobby Fischer und Boris Spasski, beim Boxen mit Muhammad Ali und Joe Frazier, und auch in der Tennisgeschichte findet man zahlreiche Beispiele: Boris Becker gegen Stefan Edberg, Chris Evert gegen Martina Navratilova, Rafael Nadal gegen Roger Federer. Aber selten lagen die Gegensätze so weit auseinander wie bei Borg und McEnroe. Ihre Charaktere wirkten fast zu überzeichnet, um real zu sein. Wie Figuren in einem Actionfilm. Der Gute gegen den Bösen. Der Denker gegen den Choleriker. Der Brave gegen den Rebellen. Die heile Welt von Abba gegen die dreckigen Akkorde der Sex Pistols. Nahezu jede Eigenschaft des einen fand beim anderen ihr Antonym. Borg, der Schwede, geboren in Stockholm, aufgewachsen in Södertälje, einem Provinznest 30 Kilometer westlich der Hauptstadt, war ein introvertierter Perfektionist, bei dem das Zucken der Augenbrauen als emotionale Explosion durchging. Er spielte Tennis, wie andere Steuererklärungen ausfüllten oder IBM-Computer bedienten, präzise und mechanisch. Gegenüber John McEnroe, ein Junge aus Queens, New York City, wilde Locken, große Klappe. Er brachte Linienrichter zum Weinen, beschimpfte Schiedsrichter als „Abschaum der Welt“. Sein Spiel lebte von der Improvisation. Es hieß, er könne die Saiten beim Schlag „fühlen“. Als seien sie Verlängerungen seiner Finger, mit denen er die Bälle ins Feld mal peitschte, dann wieder tupfte, per Halbflugball direkt an die Grundlinie, per Rückhandvolley kurz hinters Netz. Ein Künstler, bei dem Tennis aussah wie ein Action Painting von Jackson Pollock.

Aber die Rivalität zwischen Borg und McEnroe bot mehr als die Erzählung Mann gegen Mann. Sie veränderte den Tennissport nachhaltig, vielleicht demokratisierte sie ihn sogar, obwohl sie sich nur über vier Jahre, von 1978 bis 1981, zog. Seit Jahrzehnten arbeitet sich die Popkultur in Büchern, der Kunst und der Musik an dieser Erzählung ab. Dieses Jahr im Oktober erscheint ein Kinofilm, in dem McEnroe von Hollywood-Star Shia LaBeouf gespielt wird. Der Songwriter Paul Simon sagte: „McEnroe hat dem Spiel Lachen und Tränen, Leben und Leidenschaft beigebracht.“ Und der Pianist Chilly Gonzales beschrieb mit dem Song „Advantage Points“ das legendäre Wimbledon-Finale 1980. Das Duell gab so viel Stoff zum Nachdenken, dass es sogar im Feuilleton und Kulturbetrieb analysiert wurde. Tim Adams etwa zeichnete mit dem 140-Seiten-Essay „Being John McEnroe“ ein eindrückliches Psychogramm des Amerikaners und kreiste dabei immer wieder um die Beziehung zu Borg. Auch Adams, Reporter bei der britischen Wochenzeitung „Observer“, schreibt: „Nach Borgs Rücktritt wirkte McEnroe unzufriedener und zorniger denn je, denn er hatte keinen Rivalen mehr.“ Selbst wenn McEnroe nach den US Open 1981 weiterhin ein Endspiel nach dem anderen gewann, fragte er sich die meiste Zeit nur: „Wo ist Borg? Und wer ist Järryd?“
Um die beiden Männer zu verstehen, diesen stilbildenden Zweikampf, die Bedeutung für den Sport, muss man zurückgehen in die frühen Jahre ihrer Karrieren. In eine Zeit, in der sich Tennis, einst Teil einer viktorianisch geprägten Elite, langsam einem Massenpublikum öffnete.
Borgs Geschichte begann mit einem Tischtennisturnier in Södertälje, auf dem sein Vater, ein einfacher Kaufmann, den ersten Platz belegte. Als Preis durfte er zwischen einem Tennisschläger und einer Angel wählen. Er wählte das Racket und schenkte es seinem Sohn. Am nächsten Tag stand der neunjährige Filius vor dem örtlichen Tennisklub, aber man verwehrte ihm den Einlass. Die Plätze seien belegt. Also ging er heim und schlug den Ball gegen die Garagenwand, und im Grunde tat er in den folgenden Wochen nichts anderes. Jeden Tag nur er und die Wand. Jeden Tag das letzte Einzel im Davis-Cup-Finale gegen die USA. Und jeden Tag hieß der Sieger: Schweden.
Im März 1972, als er 15 Jahre alt war, verließ er die Schule, weil er der beste Tennisspieler der Welt werden wollte, und seine Lehrerin rief ihm zum Abschied hinterher, er sei dumm und faul. Als er in einer Trainingseinheit seine ganze Wut hinausschrie, stieß der Trainer ihn über die Sitzbänke. Damals, sagte er, habe er zum letzten Mal geweint. Damals schwor er sich, auf dem Platz nie mehr zu widersprechen. Mit stoischer Ruhe, beinahe autistisch, schritt er nun über den Platz und hämmerte mit den Bällen auf seine Gegner ein wie einst auf die Garagenwand. Wenige Wochen später, im Mai 1972, gewann er sein erstes Davis-Cup-Match, 1974 siegte er bei den French Open, 1976 holte er als 20-Jähriger die erste von fünf Wimbledon-Trophäen.
Borg passte, zumindest auf den ersten Blick, perfekt in die weiße Welt des Tennis, denn er spielte schnörkellos, bescheiden und fair, immer auf Contenance bedacht. Zugleich aber stand er auch für den Beginn eines Starkults im Tennis. Bei den Turnieren hielten Ordner die jungen Fans auf Abstand, wenn der langhaarige „Teen Angel“ mit seinen engen Fila-Shirts den Platz betrat. „Borg-Mania in Wimbledon“, schrieb eine Reporterin des „Daily Express“. Und weiter: „Er ist wirklich wunderschön. Ein Gesicht, wie Raffael es gemalt haben könnte, mit blauen Augen, die man nie vergisst.“

Mit John McEnroe kam die Hässlichkeit. So schien es jedenfalls. „Ein Gesicht wie eine irische Kartoffel“, urteilte der „Observer“. „Wollen wir so einen hier sehen?“ McEnroe, das wussten sie bereits vor seinem ersten Spiel in Wimbledon, war einst von der Tennisakademie geflogen, weil er vor einem wichtigen Turnier morgens um zwei seine Konkurrenten mit „Feuer“-Rufen geweckt und ihnen einen Eimer Wasser ins Gesicht geschüttet hatte. Mit 18 Jahren war McEnroe kein bisschen leiser geworden. Er betrat den exklusiven Wimbledon-Geheimbund wie Johnny Rotten ein paar Monate zuvor die Bühnen der Beat- und Pop-Clubs: rabiat, laut und kompromisslos. „Anarchy in the UK“ statt „Borg-Mania“.
Im Juni 1977, im Sommer also, als der Punk über die Insel fegte, spielte er zum ersten Mal im Herrenwettbewerb des wichtigsten Grand-Slam-Turniers der Welt. Das Viertelfinale war, so beschrieb er es später, die Geburtsstunde des Bad Boys. Gegen den Australier Phil Dent lag er 1:2 nach Sätzen hinten, als er die Schlagfläche seines Rackets zwischen den heiligen Rasen und seinen verschwitzten Schuh klemmte. Dann zog den Griff langsam an den Körper, und als er fast zerbrach, hörte er ein Geräusch, das er bis dahin nicht gekannt hatte: Die Zuschauer buhten. „Es klingt verrückt, aber es inspirierte mich“, sagte er. Also bog er den Schläger noch weiter, kickte ihn mit dem Fuß Richtung Bank, und das Buhen hallte nun über die ganze Anlage. McEnroe lächelte diebisch. Anschließend drehte er das Match und gewann in fünf Sätzen. Am nächsten Tag waren die Zeitungen voll von Empörungen über McEnroe. Sie nannten ihn „Superbrat“, den Superflegel. „Es änderte alles“, sagte er. „Von diesem Tag an war ich John McEnroe, der Bösewicht.“
Von diesem Tag an ließ er alles raus. Er schrie den Linienrichtern entgegen: „Ihr seht aus wie Pickel an einem Baum.“ Er warf eine Flasche Wasser ins Publikum und spritzte den König von Schweden nass. Er schleuderte einen Schläger auf Ilie Nastase. Die BBC drehte bei seinen Spielen die Lautstärke der Außenmikrofone herunter. Psychiater boten ihm Hilfe an, und der amerikanische Soziologe Digby Baltzell verfasste eine Studie mit dem Titel „John McEnroe und der Niedergang der Zivilisation“. Sogar seine Eltern versuchten, den wilden jungen Mann zu beschwichtigen. Einmal sagte seine Mutter: „Honey, wenn sie sich zu deinen Ungunsten irren, werden sie sich das nächste Mal zu deinen Gunsten irren.“ Der Sohn sah sie an und sagte: „Mutter, du redest Scheiße!“

McEnroe brauchte, im Gegensatz zu Borg, der mit der kalten Garagenwand zufrieden war, einen Resonanzkörper. Er brauchte den Konflikt und den Dialog. Und vor allem brauchte er ein Ventil für seine Wut. Denn davon hatte er genug. Er verfluchte sein eigenes Spiel, weil es nie so perfekt und ordentlich war wie das von Borg. Er legte sich mit den Schiedsrichtern an, weil diese alten Männer, oft hoch dekorierte Luftwaffen-Offiziere, auf ihren hohen Stühlen thronten und glaubten, die Weisheit der Welt zu besitzen. Vor allem das Turnier in Wimbledon ekelte ihn an, es widersprach seinem antiautoritären Gestus: die hochgestochene Sprache der Funktionäre, die devote Verbeugung vor den königlichen Ehrengästen, das stillschweigende Akzeptieren jeder Entscheidung. Als Sohn eines Anwalts hatte er einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. „Ich wollte nur, dass sie ihre Fehler zugeben“, sagte er. Das Groteske war: Anders als die meisten Spieler lief McEnroe zur Höchstform auf, je mehr er fluchte. „Ich habe es nur einmal erlebt, dass John verloren hat, ohne sich aufzuregen“, sagte Peter Rennert, Ex-Profi und guter Freund McEnroes. „Und damals verlor er, weil er sich nicht aufgeregt hat.“
In den Zeitungen entbrannten Diskussionen über die Verhaltensmuster der beiden Kontrahenten. Die große Frage lautete: Was ist normal? Dieser „Ice-Borg“, der nie lächelte und einen Ruhepuls von 35 Schlägen in der Minute hatte, was bedeutete, dass er bei einem Turniersieg in etwa so aufgeregt war wie ein Großvater bei einer Runde Monopoly mit seinem Enkel? Oder der „Superbrat“, der sich aufführte, als würde er an der Seite von Joey Ra­mone über die Bühne des Punkschuppens CBGB wüten?
Eines war hingegen klar: Wenn Borg für das alte und traditionelle Spiel stand, den inneren Zirkel mit seinen konservativen Werten, personifizierte McEnroe das Außen. Er brachte die harte Realität in die wohltemperierte Erdbeerwelt und rüttelte an einer der letzten Bastionen des alten und traditionellen Königreichs. Die Empörung war gewaltig, schließlich konnten die feinen Herrschaften bis dahin die rebellierende Jugend ganz wunderbar ausblenden. Jahrzehntelang hatten sie sich einfach große Hüte aufgesetzt und die Tore des All England Lawn Tennis and Croquet Club hinter sich zugemacht, während Punks, Hooligans und Dockarbeiter ihre Unzufriedenheit in die Straßen trugen.
Die Medien stilisierten die Rivalität zwischen Borg und McEnroe zu einem Krieg der Philosophien und der Welten. Dabei waren die beiden im wahren Leben befreundet. Früher, in Kinderjahren, war McEnroe großer Fan des Schweden. „Die Fila-Klamotten, die engen Shirts, die knappen Shorts, das fand ich klasse“, sagte er. In seinem Zimmer hing ein Poster von Rod Laver neben dem von Björn Borg. Und auch wenn er irgendwann alles und jeden beschimpfte, selbst seine Trinkflasche für verzogene Slice-Bälle verantwortlich machte: Borg blieb von direkten Attacken verschont, McEnroe begegnete ihm mit Respekt. „Um Björn zu schlagen“, sagte er vor dem ersten Duell, „müsste man ihm einen Fuß festnageln.“ Andersherum verhielt es sich ähnlich. Borg beschwerte sich nie beim Schiedsrichter, wenn McEnroe auf dem Platz herumbellte. Im Gegenteil. Er suchte seine Nähe. Bei einem Spiel, 1979 in New Orleans, trafen sich die beiden nach einem Ballwechsel am Netz. Borg legte seinen Arm um McEnroes Schulter und sagte: „Es ist okay. Du solltest das alles ein bisschen genießen. Du wirst Teil von etwas Großem sein.“

Der Schwede behielt recht. Ein Jahr später, 1980, lieferten sich die beiden im Wimbledon-Finale eines der besten Tennisspiele aller Zeiten. Im vierten Satz wehrte McEnroe sieben Matchbälle von Borg ab und rettete sich in den Tiebreak. „Beide schauen immer wieder in den Gewehrlauf, sind aber immer noch am Leben“, flüsterte der BBC-Kommentator, während die halbe Welt andächtig vor dem Radio oder dem Fernseher hockte. Sogar Nelson Mandela durfte es in seiner Gefängniszelle auf Robben Island hören. Der Tiebreak dauerte magische 22 Minuten, McEnroe entschied ihn mit 18:16 für sich. „Ich glaubte, dass ich das Match gewonnen habe“, sagte er später. Aber Borg schritt an die Linie, als hätte es den vierten Satz nie gegeben. Bei eigenem Aufschlag gab er nur noch drei Punkte ab. Am Ende gewann er den fünften Satz mit 8:6. Das Siegerbild ist vielleicht das bekannteste, das es von Borg gibt. Dieser Kniefall auf dem Rasen. Dieser Blick in den Himmel über Wimbledon. Auf einmal wirkte Borg nicht mehr wie eine Maschine, sondern wie ein Mensch, dem die emotionale Last von sechs Jahren Profitennis von den Schultern gefallen war. Als er sich auf den Stuhl setzte, las ein Reporter von seinen Lippen ein Wort ab: „Unglaublich.“ Nichts weiter. Mit diesem Sieg hatte er das Tennisspiel zu Ende erzählt. Fünf Wimbledon-Siege in Folge, vier French-Open-Siege, 109 Wochen als Nummer eins der Welt. Was sollte noch kommen? Das Epos hatte sein krachendes Finale gefunden. Jedenfalls aus Sicht von Borg.
Für McEnroe hingegen begann an diesem Tag gerade mal der zweite Akt, denn dieses Spiel war für ihn eine Zäsur. Viele Zuschauer machten ihren Frieden mit dem Mann, dem der kühle Schwede das Herz rausgerissen hatte. Er erhielt Hunderte Briefe, auf einigen Umschlägen stand nur: „John McEnroe, USA“. In den folgenden Monaten spielte er so gut wie nie zuvor. Im März 1981 gewann er in Mailand gegen Borg, im Juni gelang ihm die Revanche in Wimbledon, und dann kam das US-Open-Finale in New York. Borg hatte in Italien und London seine Taktik umgestellt, spielte häufiger Serve-and-Volley, aber es nützte nichts. McEnroe guckte ihn aus, passierte ihn, schob den Ball an ihm vorbei, rechts, links, Lobs, Stopps, die Einschläge kamen überall.

Direkt nach dem Matchball verschwand Borg in der Kabine. Er kam nicht zur Siegerehrung zurück. Nun buhten die Zuschauer ihn aus. Aber Borg eilte da schon mit nassen Haaren durch den Spielertunnel, begleitet von seinem Trainer Lennart Bergelin. Auf dem Parkplatz wartete seine Frau Mariana. „Warum flüchten Sie?“, fragte ein Journalist. Borg sagte nichts. Er warf seine Donnay-Schläger auf die Rückbank und fuhr davon. 14-mal hatten sie auf der ATP-Tour gegeneinander gespielt. Siebenmal gewann Borg, siebenmal McEnroe. Es war doch gut so, es war vorbei. Für immer.
Der Schwede schwieg lange zu den wahren Gründen seines Rücktritts. Und wenn er in den Jahren danach in Erscheinung trat, schien es fast so, dass er ohne die ordnenden Linien des Tenniscourts keinen Halt im Leben hatte. Gescheiterte Ehen, eine Vaterschaftsklage, Insolvenzen, einmal wurde er mit einer Überdosis Schlaftabletten ins Krankenhaus eingeliefert. McEnroe hatte mehr Glück. Er war als Galerist tätig, nahm Gitarrenunterricht bei Eric Clapton. Er moderierte eine Fernsehshow, hatte Cameo-Auftritte bei verschiedenen Hollywoodfilmen. Für seine Tätigkeit als Tennis-Kommentator wurde er für den „Emmy“ nominiert. Auf Schauturnieren schimpfte er wieder auf die Schiedsrichter, und die Zuschauer kringelten sich vor Lachen, wenn er seinen berühmtesten Satz sagte: „You cannot be serious!“
Bis heute treffen sich die beiden. Sie sprechen über ihre gemeinsame Unterhosenkollektion oder den Tiebreak von 1980. Und eines Tages, bei einem Schauturnier, öffnete Borg tatsächlich seine Gedankenwelt. „John, du weißt doch, wie es ist“, sagte er. „Nur die Nummer eins zählt. Als Nummer zwei könnte man auch Dritter oder Vierter sein. Man ist ein Niemand.“

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