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Der weiße Baron

Die Nazis hassten ihn für seine Weltoffenheit, die Tennisfans liebten ihn für seine Eleganz. Bis heute gilt Gottfried von Cramm als bester Spieler, der Wimbledon nie gewann

Text: Andreas Bock

Als der Amerikaner John Donald „Don“ Budge den fünften Matchball verwandelt hat, tritt Gottfried von Cramm mit einem Lächeln ans Netz. Die Zuschauer erheben sich von ihren Sitzen und applaudieren. Einige verneigen sich sogar, denn nie zuvor hat Tennis so elegant ausgesehen wie in diesem Davis-Cup-Halbfinale von 1937. Walter Pate, der Kapitän des US-Teams, sagt später: „Kein anderer Spieler – die Lebenden und die Toten zusammengenommen – hätte einen der beiden an diesem Tag schlagen können.“ Auch Cramm, der große Deutsche mit der akkuraten Seitenscheitelfrisur, ist überwältigt. „Don“, sagt er und streckt dem siegreichen Amerikaner die Hand entgegen, „das war das beste Match, das ich je gespielt habe. Ich bin sehr glücklich, dass ich es gegen jemanden spielen durfte, den ich sehr mag. Herzlichen Glückwunsch!“
Gottfried von Cramm war ein Perfektionist. Wenn er Schwächen auf der Vorhand bemerkte, trainierte er sie vier, fünf Stunden am Stück. Wenn ihm sein Service nicht platziert genug erschien, legte er Markierungen aus Pappe ins Aufschlagfeld und zielte auf sie, bis er sie getroffen hatte. Die wichtigen Spiele hat Cramm trotzdem alle verloren. Drei Wimbledon-Endspiele in Folge. Drei Davis-Cup-Halbfinals in Folge. Ein US-Open-Finale. (….)

Die komplette Reportage über den Tennisbaron ab sofort in der neuen Ausgabe von NoSports