Bildnummer: 00293576  Datum: 09.09.1994  Copyright: imago/Norbert Schmidt
Steffi Graf (Deutschland) - Vorhand; Stefanie, Vdia, quer, Netz, Einsatz, Vogelperspektive, oben US Open 1994, Grand Slam, WTA-Tour, Hartplatz, Hardcourt, Hartplatztennis, Hartplatzturnier New York Flushing Meadow Dynamik,  Tennis Damen Einzel USA Einzelbild Aktion Personen

Platz 5: Steffi Graf

Ein hochkarätige Jury stimmte für die neue Ausgabe von NoSports über die 100 größten Sportlerinnen und Sportler aller Zeiten ab. Auf Platz 5: Tennisspielerin Steffi Graf

Als seine Tochter acht Jahre alt wurde, beschloss Peter Graf, seinen Beruf als Versicherungskaufmann und Gebrauchtwagenhändler aufzugeben. Stattdessen kümmerte er sich in den folgenden Jahrzehnten um die Tenniskarriere der Tochter. Steffi Graf hatte mit vier Jahren ihren ersten Tennisschläger bekommen, mit sechs Jahren die ersten Turniere gewonnen und war mit acht Jahren bereits derart gut, dass Vater Graf das Risiko für vertretbar hielt. Später wurde er gerne als Prototyp des überehrgeizigen Tennisvaters gezeichnet der seine Tochter triezte und forderte. Ein Zerrbild, in aller Regel musste er als Trainer und Manager oft den Elan und den Eifer der Tochter bremsen, die es regelmäßig mit dem Training übertrieb. Als sie im Alter von gerade dreizehn Jahren bei der WTA als Profispielerin angemeldet wurde, erntete die Familie dafür harsche Kritik. Steffi Grafs trotzige Replik: „Ich will es aber so!“ Fortan ging es steil bergauf. Die von der internationalen Presse routiniert als „Wunderkind“ gefeierte Steffi Graf wurde 1987 erstmals Erste der Weltrangliste, im darauffolgenden Jahre gelang ihr der flugs so benannte „Golden Slam“, der Gewinn aller vier Grand-Slam-Turniere und der Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen in Seoul. Es war zugleich die Wachablösung der bisher dominierenden Amerikanerin Martina Navratilova, die in den Duellen mit der Deutschen stets versuchen musste, die auf ihrer Rückhandseite zu halten. Konnte Graf hingegen bei Grundlinienduellen ihre gefürchtete Vorhand einsetzen, mit der sie das Spiel nach Belieben dominieren konnte, war Navratilova dagegen wie alle anderen Spielerinnen auf der Tour machtlos. Das fabulöse Jahr 1988 war nur der Beginn einer einmaligen Karriere. 107 Turniere im Einzel, darunter 22 Titel bei Grand-Slam-Turnieren, standen am Ende in der Bilanz. Siebenmal wurde sie in Wim­bledon als Siegerin gefeiert. Was sich makellos liest, war durchaus eine Karriere mit Höhen und Tiefen. Nach Jahren der Dominanz musste sie sich mit einer neuen Konkurrentin, der aufstrebenden Jugoslawin Monica Seles, auseinandersetzen. Derweil tobte ein veritabler Presseskandal um eine außereheliche Affäre des Vaters, der später wegen nicht gezahlter Steuern obendrein eine Gefängnisstrafe verbüßen musste. Umso bemerkenswerter, dass Graf von 1993 bis 1996 noch einmal unangefochten das Welttennis beherrschte und Grand-Slam-Turniere nach Belieben gewann, ob in Paris, Wimbledon oder New York. Die Rückkehr auf Platz 1 der Weltrangliste war die logische Konsequenz. In den späten Jahren der Karriere machte sich dann die hohe körperliche Belastung bemerkbar. Sie litt unter Knieproblemen, zwischendurch musste sie ein ganzes Jahr aussetzen und wurde 1998 nicht einmal mehr in der Weltrangliste geführt. Um dann noch einmal triumphal zurückzukommen. Am 5. Juni 1999 gewann sie die French Open gegen die viel jüngere Schweizerin Martina Hingis. Die Weltranglistenerste Hingis hatte zuvor über Graf gelästert und verkündet, ihr Sieg am folgenden Tag werde den Generationenwechsel im Tennis demonstrieren. Am Ende siegte Graf in drei Sätzen. Sie hatte es wieder einmal allen gezeigt. Wie immer.

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